IT-Systeme der deutschen Artillerie

 

 

 

 

   

Innenansicht ADLER-Kabine 
Abbildung Innenansicht ADLER Kabine I FmB (mit ADLER II-Hardware)

ADLER

Das FüWES ADLER stellt den Kern des Systemverbundes aller IT-Systeme und Waffen- bzw. Aufklärungssysteme mit IT-Anteilen dar.

Im System Artillerie übernimmt ADLER die Funktion des systembestimmenden Vorhabens für alle Systeme der Artillerie. Dazu verfügt ADLER über eine Vielzahl von Schnittstellen, stellt Hardware und Software für andere Vorhaben zur Verfügung und realisiert Verbundfunktionen.

Das anpassungsfähige ADLER-Schnittstellenkonzept stellt den Verbund der verschieden Systeme sicher und ermöglicht die Anbindung an übergeordnete Informationssysteme und verbindet ADLER mit den Artilleriesystemen verbündeter Streitkräfte.
 


Abbildung Systemverbund ADLER

ADLER ist Bestandteil des IT-Systems Bundeswehr.

Das Rollout des Systems ADLER fand am 11.05.1995 statt.

Mit diesem System werden folgende Leistungen  erreicht:

  • schnelles Bereitstellen aller Informationen für die Führung der Artillerie,
  • Verkürzen der Reaktionszeiten für Feuerzusammenfassungen der Rohr- und Raketenartillerie,
  • kurzfristiges Verlegen von Feuer- und Aufklärungsschwerpunkten,
  • genaues Abstimmen des Waffen- und Munitionseinsatzes auf das jeweilige Ziel sowie
  • Beschleunigen des Informationsaustausches zwischen Aufklärungsmitteln und Waffensystemen sowie zwischen Truppenführer und Artillerieführer.

Ausstattung

Aufbauend auf der Führungsorganisation der Artillerie und ihrer Einsatzgrundsätze wurde die geeignete Ausstattung festgelegt und die hierarchisch geprägte Netzwerkstruktur des Rechnerverbundes entwickelt. Diese Struktur ermöglicht den reaktionsschnellen Informationsaustausch über alle Ebenen hinweg, stellt abgestufte Ersatzbetriebslösungen bei Ausfall von Systemkomponenten sicher und ermöglicht ohne Aufwand Anpassungen des Systems an Änderungen der militärischen Organisation.

Durch eine weitgehend identische Ausstattung aller ADLER-Fahrzeuge mit DV-Geräten und Software wird sichergestellt, dass:

  • viele ADLER-Fahrzeuge auch andere ADLER-Funktionen übernehmen können,
  • jeder Arbeitsplatz innerhalb eines ADLER-Fahrzeuges alle Funktionen übernehmen kann,
  • staffelweiser Stellungswechsel der Gefechtsstände ohne Führungseinschränkung oder Informationsverlust möglich ist,
  • bei Ausfall eines Fahrzeuges nahezu verzugslos gleichwertiger Ersatz bereitgestellt werden kann,
  • das System auch bei Ausfall eines Terminals voll funktionsfähig bleibt,
  • die Führungsfähigkeit des jeweiligen Artillerieverbandes ständig sichergestellt ist und
  • der logistische Aufwand für die Materialerhaltung des Systems minimiert werden kann.

Kommunikation

Die Kommunikation des Systems gewährleistet die automatische, sichere Echtzeitübertragung und -verteilung aller notwendigen Informationen mit Hilfe von festformatierten Datentelegrammen über VHF-Funk oder Drahtverbindungen. Von jedem Rechner eines ADLER-Fahrzeuges können bis zu vier Kommunikationskreise betrieben werden.

Das eingesetzte Übertragungsprotokoll ist entsprechend den Erfordernissen eines hochmobilen, flexiblen Einsatzes auf dem Gefechtsfeld realisiert und stellt sicher:

  • die Übertragung vieler, vorwiegend kurzer Meldungen in einem hierarchisch organisierten Netz mit vielen Teilnehmern,
  • die Erreichbarkeit jedes Teilnehmers durch die funktionsbezogene Adressierung und
  • den prioritätsabhängigen Kanalzugriff unter Verhinderung von Kollisionen.

Datengesteuerte, automatische Umsetzfunktionen an technischen Schnittstellen ermöglichen ohne Bedienereingriffe den verzugslosen Informationsaustausch innerhalb des Systems Artillerie mit den Führungssystemen des Heeres sowie den Artilleriesystemen der Partnerstaaten (s.a. "Interoperabilität").


Am 30. Mai 2006  wurde ADLER II übergeben

Wesentliche Neuerungen durch ADLER II

Mit dem ADLER II wurde gegenüber ADLER I eine grundlegende Änderung der Hardware und Software erforderlich, da die für ADLER I verwendete querschnittliche Rechnerumgebung MR8020 nicht mehr beschaffbar und ab 2005 voraussichtlich auch nicht mehr versorgbar ist. 
Alle Merkmale, der oben beschriebenen Schnittstellen, dem Systemkonzept, dem Kommunikationskonzept sowie der Funktionsumfang der Software bleiben erhalten.
Die zwischenzeitlich auf WIN NT portierte Software wurde auf WIN 2000 Server umgestellt. Sie entspricht damit den ergonomischen Standardvorgaben einer modernen Oberfläche.
 

Als HW-Komponenten werden für ADLER II gehärtete Standardkomponenten verwendet. Auf Grund der geforderten Flexibilität des Systems und den damit verbundenen wechselnden Anforderungen an die HW-Komponenten sind alle Arbeitsplätze mit der gleichen Hardware ausgestattet. Damit lassen sich Gefechtsstände mit 1 bis n Arbeitsplätzen realisieren, wobei ein ausgefallener Server-Arbeitsplatz jederzeit durch einen anderen Arbeitsplatz ersetzt werden kann.

Das System enthält die operationelle Schnittstelle für die Zusammenarbeit mit den Artilleriesystemen von Frankreich, Großbritannien, Italien und USA.

Neu ist auch das integrierte Karten- Lagemodul.

 
Abbildung ADLER Arbeitsplatz                                             Abbildung Lagegraphik ADLER

 

Der Gerätesatz ADLER II besteht u. a. aus folgenden Komponenten

  • Portabler Arbeitsplatz (ruggedised Notebook)(1)
  • Militarisierter Kommunikationsserver
  • Entsprechenden Peripheriegeräten. 

 

(1) Als Rechner kommt das Ruggedised Notebook "Roda Rocky III RK786EX" zum Einsatz.
(Technische Details zum Rechner siehe "
Firma roda-Computer" unter "Links")


Einen recht guten Überblick über
ADLER II
liefert der
Flyer
der
Systemfirma ESG.
 


Wichtigste Vorteile

  • Modernes Führungs-, Informations- und Kommunikationssystem.
  • Verbindet alle Systemanteile der Artillerie zu einem Gesamtsystemverbund.
  • ADLER funktioniert unabhängig von den jeweiligen Strukturen bzw. Gliederungen der Verbände und Einheiten.
  • ADLER ist ausbaufähig, wie die jetzt in Einführung befindliche Produktverbesserung ADLER (ADLER II) zeigt und mittlerweile hardwareunabhängig.
  • ADLER kann auch unter den veränderten Rahmenbedingungen des neuen Einsatzspektrums der Streitkräfte eingesetzt werden.
  • ADLER unterstützt in den Bereichen
    • Nachrichtengewinnung und Aufklärung,
    • Führungsfähigkeit,
    • Wirksamkeit im Einsatz.

Und:
Das System ADLER bildet die Grundlage für das neue System "TARANIS", ein truppengattungsübergreifendes Führungssystem, das derzeit durch die Fa. ESG entwickelt wird.
Entsprechende Infos sind bereits im Internet verfügbar.

Und wie geht es weiter ?

Siehe Nachtrag unter
Joint Fires


Entwicklungsgeschichte ADLER

ursprünglicher Projektname:
 ArtFüInFELSys
 = Artillerie-, Führungs, Informations- und Feuerleitsystem

 

Zeiten und Entwicklungsphasen

*      31.03.1973                  TAF (Taktische Forderung) ADLER

 

*      06.08.1982                  MTZ (Militärisch-Technische Zielsetzung) ADLER

 

*      01.07.1983                  Firmenwechsel von Fa. IBM zu Fa. ESG
                                      
Begründung u.a.:
                                       Entscheidung bei der HW-Auswahl zugunsten eines GE Herstellers
                                       Die Fa. IBM zog sich daraufhin aus der Entwicklung zurück.

 

*      11.09.1984                  MTWF (Militärisch-technisch-Wirtschaftliche Forderung) ADLER

 

*      04.02. – 20.06.1985    Funktionsnachweis ADLER – TACFIRE
                                       Anmerkung:
                                       TACFIRE war das damalige System der US-Artillerie
                                       Es wird zwischenzeitig durch AFATDS ersetzt.

 

*      17.02. – 16.12.1988    Truppenversuch ADLER/Basisversion ADLER

 

*      30.01.1992                  EFG (Einführungsgenehmigung) ADLER

 

*      11.05.1995                  ROLL OUT, Einführung ADLER in die Tr, 1. Los RadKfz

 

*      Ab 1999                     RadKfz 2.Los

 

*      24.08.2000                 1. ZWE (Zwischenentscheidung) ADLER,
                                 
    Herstellen der Interoperabilität

 

*      Ab 2000                  GerTrg RechnVbu M113  1. Los

 

*      01.01.2001                  Entwicklung ADLER II

 

*      Ab 2002                      GerTrg RechnVbu M113  2. Los           

 

*      Mai 2003                     OE2 (Operational Evaluation, Step 2);
                                       Nachweis der Interoperabilität mit US, UK, FR und IT

 

*      2006                            Einführung ADLER II (Notebook, Win2000-Server)

 

*      Nach 2008 und ff     geplant: Produktverbesserung ADLER
                                      ggf. erst nach 2010 

 

 

 

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